Dienstag, 15. Juni 2010

Cat Down Under - Teil 5

Die Wohnung fand ich auf dem Weg zu meinem ersten Arbeitstag. Bzw. der Aushang dafür und schaute sie mir am Wochenende auch direkt an. Sie lag in einer kleinen Nebenstraße zwischen Townhall und Darling Harbour, 5min. bis zum nächsten Supermarkt entfernt und somit unglaublich zentral. Zudem befand sie sich im 13. Stock eines ultraschicken Apartmentgebäudes mit Fitnesscenter und Pool im Erdgeschoss, Plasma TV in jeder Wohnung, einem Balkon mit Blick auf Darling Harbour und Sydneys Innenstadt sowie Portier, der einen jeden Morgen begrüßte.
Meine Mitbewohner waren alle ganz nett. Ich musste mir mein Zimmer mit 3 weiteren Mädels teilen (eine Tschechin, Koreanerin und Engländerin) und drei Taiwanern, die in einem anderen Zimmer untergebrachten waren. Zwar keine eigene Wohnung, aber immernoch besser als sich mit 9 Leuten ein Zimmer und mit 20 ein Bad und mit womöglich weiteren 50 eine Küche teilen zu müssen, wie das in den meisten Hostels ja ist. Vor allem war sie von der Lage her ideal und auch noch wahnsinnig günstig. Keiner bewohnte das Wohnzimmer, all meine Mitbewohner arbeiteten oder gingen zur Uni, weswegen es unter der Woche abends nicht laut war und nach der Arbeit hatten die Engländerin und ich die Wohnung meist für uns alleine. Was besseres hätte ich echt nicht finden können. 


zwar kein Traumzimmer, aber als Backpacker bekommt man selten so dicke Matratzen und einen Schrankviertel für sich allein. Es kommt auch selten vor, dass man dicke Decken hat, die im Herbst in Sydney auf jeden Fall nötig sind 

außerdem hat man selten ein Bad, was man sich nur mit 3 weiteren Leuten teilen muss und hat dann auch nicht zur Not noch ein weiteres im Flur


ein Laptop stand uns auch zur Verfügung, wenn er nicht gerade von seinem eigentlichen Besitzer in Beschlag genommen wurde, der aber selten zu Hause war


gut ausgestattete Küche mit einem vollen Sack Reis auf dem "free shelf"


fast jedes Wochenende gab es am Darling Harbour Feuerwerke, die man von unserem Balkon aus sehr gut beobachten konnte


Mit dem neuen Job sah es ähnlich positiv aus. Ich hatte total nette Mitarbeiter, den besten Boss der Welt und konnte mich den ganzen Tag mit Kosmetik beschäftigen *.*
Meine Aufgabe am Anfang war es die kaputten Kartons von Clarins Artikel auszutauschen und nach Produkt in große Kartons zu verstauen. Da dort "kranke" Artikel "geheilt" werden, nannte man den Teil des Lagers "hospital". Ich war also Arzt! Haha! Was für ein Aufstieg. Von Tomatenschnibblerin, zur Sklavin in einer DVD-Fabrik bis hin zu einer Ärztin in einem Luxus-Kosmetik-Warenhaus. Später durfte ich dann "picken". Das heißt ich bin mit einem Wagen durch das riesengroße Traumwarenhaus gefahren, hatte eine Bestellung in der Hand und musste von Regal zu Regal wandern und den und den Clarins Mascara in meinen Korb packen oder nach dem und dem Laura Marcier Pinsel suchen. 
Später musste ich dabei helfen Rücksendungen zu sortieren und alles wieder ins Lager einzuräumen. Oder ich musste entscheiden, ob Produkte noch vollkommen in Ordnung sind und zurück ins Lager durften oder für ein paar Dollar im Factory Outlet nebenan verkauft werden, weil die Verpackung fehlt. Ein paar Artikel haben es dann aber leider zu gar nichts mehr gebracht und mussten entsorgt werden. (Natürlich tut sowas weh und natürlich habe ich das ein oder andere Produkt vor dem grausamen Tod bewahrt).

Nach einer Woche kam meine Mitreisende aus Melbourne zurück und wollte sich nochmal intensiv nach einem Job in Sydney umschauen, was aber gar nicht nötig war, da sie ca. 10 Stunden nach Ankunft einen Anruf von der Arbeitsagentur erhielt und den gleichen Job bekam wie ich. Felix Felicis sag ich da nur.

Und wenn ich sage, dass wir den besten Boss der Welt haben, dann meine ich, dass er so aufmerksam war, dass er meinen neuen Nagellack bemerkt, den Kopf schüttelt weil ich dafür Geld ausgegeben habe um daraufhin wie ein Gestörter durchs Warenhaus zu laufen um mit 10 Flaschen Nagellack, 10 Mascaras, 20 Lipglossen und Lippenstiften, Kajalstiften, Eyeliner, Lidschattenbase, Face-Base und was weiß ich noch alles anzukommen und uns zu schenken. "they're girls. they love girls-stuff". Nur, dass es wohl eher womens-stuff war, denn all der stuff, kam von Clarins und hatte insgesamt wohl nen Wert von 2000$! Dazu kam noch Parfum, was wir uns aus seinen Büro nehmen konnten, damit keiner mehr damit rumsprühen konnte und noch eingeschweißte, unbenutzte Flaschen.
Aber das war nicht alles. Als sich das Weihnachtsgeschäft langsam dem Ende neigte (so Ende November wenn alle Bestellungen rausgegangen sind), wurden die ersten Backpacker entlassen. Auch wir bekamen es mit der Angst zu tun, schließlich wollten wir doch eigentlich bis Dezember bleiben. Vorsorglich buchten wir schonmal einen Flug nach Neuseeland Ende November, weil wir dachten, dass wir solange noch bleiben könnten. Doch als eine weitere Backpackerin entlassen worden ist, die mit uns im gleichen Warenhaus arbeitete, bekamen wir richtig Panik. Schließlich waren es bis zum Flug immernoch 2 1/2 Wochen und nach 2 1/2 Monaten Sydney hat man schon alles gesehen und noch länger wollten wir dort nicht bleiben, zumindest nicht ohne Job.

Unser Boss bekam natürlich Wind von unserer Panik und zog uns immer damit auf, weil wir ihn täglich fragten, wie lange wir noch arbeiten könnten, was er natürlich nicht wusste, da dies von den Bestellungen abhängt. Er gab uns aber immer den Tipp nicht so schnell zu arbeiten, um was für den nächsten Tag zu haben (nein, das ist kein Scherz!). Irgendwann war es dann soweit und es sah so aus, dass ich noch eine Woche dableiben könnte, meine Mitreisende aber nur noch 2 Tage. Eigentlich als Scherz gemeint, schlug ich vor, dass wir uns doch meine Arbeit teilen könnten und zusammen nur noch 4 Tage bleiben würden (bis zum Dienstag, statt Donnerstag), weil wir zusammen nach Neuseeland weiterreisen wollten. Er lachte, nahm es nicht ernst, dachte aber doch darüber nach und fragte in der Pause nochmal nach dem genauen Plan.
Einen Tag später verkündete er, dass das in Ordnung wäre und wir beide dann halt bis Dienstag bleiben.
Da unser Boss aber nur der Boss des einen Warenhauses ist und nicht der der gesamten Firma, konnte er das nicht ganz alleine entscheiden und hörten ihn eines Tages mit dem Boss-Boss streiten (ok...ich habe sie, versteckt hinterm Lippenstiftregal belauscht...aber psst) "aber ich habe es den Mädchen versprochen! ... nein, ich kann niemand anderes für die beiden einstellen ... nein, ich werde ihnen nicht sagen, dass sie hier nicht mehr arbeiten können. Sie bleiben beide. Bis Dienstag. Und fertig!" 
oooh...da muss uns aber einer gern gehabt haben und wir durften letztendlich sogar bis Donnerstag bleiben und noch mehr Geld für Neuseeland zu haben. War zwar ein bisschen stressig an dem einen Tag noch zu arbeiten und am nächsten schon zu fliegen, aber 100$ (das war der Lohn für 7,5 Stunden, die man dort an einem Tag gearbeitet hat) sind immerhin fast eine Woche Hostel.

 die Palme vor dem Warenhaus, die uns jeden Tag daran erinnerte, dass wir in Australien sind



Trolley voll mit Clarins Produkten

Nach 2 1/2 Monaten Kosmetikfabrik, hatten wir nicht nur ordentlich Geld verdient, sondern auch 5kg Kosmetik, die bereits mit dem Schiff auf dem Weg nach Hause waren.

Kommentare:

  1. Du hast mir die BusFahrt versüßt.

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  2. ich mag deine Erzählung total :) Und dein Boss scheint ja wirklich toll gewesen zu sein. Ich beneide dich um dieses Abenteuer, aber ich würde sowas nicht schaffen *g*

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  3. Hui, da hast du ja noch ordentlich Glück gehabt, sowohl mit der Wohnung als auch mit dem Job, der sich übrigens wirklich traumhaft anhört! :) Wow das scheint echt ein toller Boss gewesen zu sein, wenn er sich so für euch eingesetzt hat! :)
    Hast du die Kosmetik noch? Oder ist es schon aufgebraucht?

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  4. OMG, was für ein geiler Job! Und so ein netter Chef!!!! Ein Traum-Nebenjob! Echt!!

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  5. das nenn ich mal nen Traumjob für Kosmetik-Backpacker ;)

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