Dienstag, 15. Juni 2010

Cat Down Under - Teil 4

Nach 2 Wochen war alles erledigt, das heißt wir waren im Besitz einer Steuernummer, hatten eine Handykarte und auch das Bankkonto war nun einsatzbereit. Unsere Mitbewohner hatten bereits alle einen Job, also wollten  wir uns auch einen suchen. Schließlich war es geplant, dass wir die ersten Monate in Sydney verbringen und dann die Ostküste hochreisen. Wenn möglich sollte so lange gearbeitet werden, dass wir Silvester das Feuerwerk an der Harbour Bridge live miterleben können.
Außerdem hatten wir uns Karten für das The Vines Konzert gekauft, was erst Anfang November stattfinden sollte und wir hatten gerade mal Anfang September. 
Aber einen Job zu finden ist weder in Deutschland einfach und in Australien erst recht nicht. Zwar ist das ganze Land auf Backpacker ausgerichtet, überall werden Aushilfen gesucht und meist durch Backpacker besetzt, aber an die Jobs muss man erstmal kommen. Genau wie in Deutschland wussten wir auch dort nicht, wo man sich bewerben sollte. Man könnte kellnern, aber da kann man meist nur 20 Stunden pro Woche arbeiten und verdient sich gerade mal den Lebensunterhalt damit. So kann man nichts für das Reisen danach ansparen. Putzhilfen in Hostels sind auch gefragt, aber da arbeitet man nur für freie Unterkunft. Dazu kommt, dass man in Australien eine Ausschenkerlaubnis braucht (ja als Bedienung auch!) und der Wisch erstmal ein paar Hundert Doller kostet, natürlich ohne Job-Garantie.

Gott sei Dank gibt es heutzutage Netzwerke wie Studi-Vz und so wurde sofort unsere Bekannte aus Singapur kontaktiert und nach der Adresse der Arbeitsagentur gefragt, wo es am gleichen Tag auch noch hinging. Eigentlich kommen da immer die Leute hin, die von ihren Organisationen geschickt worden sind, aber auch Alleinreisende dürfen das. Wir füllten stundenlang irgendwelche Bögen aus, unterzogen uns einen einfachen "Einstellungstest" und sahen noch ein Video zu den Sicherheitsregelungen in den Fabriken an zu denen man meistens vermittelt wird. Das Personal war zwar freundlich, aber wirklich zuversichtlich sind wir dort nicht rausmarschiert, weil man uns natürlich nicht sagen könnte, wann wir einen Job bekommen würden.
Da man bessere Jobchancen hat, wenn man einen festen Wohnsitz besitzt, beschlossen wir uns eine Wohnung zu suchen und besichtigten dafür ein paar. In Sydney findet man dafür an allen Masten Zettel mit abreißbaren Telefonnummern, der Adresse und dem Preis für das Zimmer oder Bett. Die Wohnungen liegen meist im City Center an der George Street in luxuriösen Apartmentgebäuden mit Portier, Fitnesscenter im Gebäude, sowie Pool auf dem Dach, muss sich dafür aber die Wohnung meist mit mind. 5 Asiaten und weiteren Backpackern teilen.
Während wir eine solche Wohnung anschauten, erzählten wir der Vermieterin, dass wir nach einem Job suchen, woraufhin sie uns die Handynummer einer DVD-Fabrik Angestellten gab, die öfters nach Backpackern sucht. Sofort schickten wir eine Anfrage per SMS und Sekunden später gab es die Antwort, dass sie gerade niemanden suchen würden, sich aber melden, wenn es was gibt.
Die Wohnung wollten wir nicht, weil sie zu teuer war und auch ein bisschen ungemütlich wirkte, weil das Wohnzimmer von einer seltsamen Chinesin, gleichzeitig auch die Vermieterin, bewohnt wurde, die Tag und Nacht am PC saß und irgendwelche Aktienkurse beobachtete. Später bekam ich aber noch eine SMS von ihr, wo sie fragte, ob wir das Zimmer für 2 Wochen, für nur 120$ die Woche und pro Person wollen, weil die neue Mieterin erst dann einziehen könnte. Das waren 20$ weniger als unser Bett im Hostel und außerdem würden wir nur noch zu zweit ein Zimmer bewohnen, hatten einen unfassbar genialen Pool auf dem Dach und würden direkt an Sydneys Hauptstraße (George Street) wohnen, weswegen wir natürlich zusagten.

 unser Dachpool für 2 1/2 Wochen. muahahaha

Beim Umzug bemerkte ich, dass mein Konzertticket für die Vines verschwunden war und musste mich schwer zusammenreißen um nicht loszuheulen. Natürlich war das Konzert ausverkauft und natürlich wollte ich trotzdem hin und natürlich habe ich das auch geschafft, aber dazu später mehr.

Auf der Suche nach einem Job haben wir auch gumtree (eine australische Seite für Jobangebote) durchforstet, alle möglichen Leute angerufen und Emails verschickt, wenn es möglich war. Leider ohne Erfolg.
Aber dann kam auf einmal alles Schlag auf Schlag. Der Koch, bei dem wir uns als kitchenhand beworben hatten, schrieb zurück und fragte an, ob wir immernoch Interesse hätten. Sofort wählten wir die angegebene Handynummer, die sich aber als falsch herausstellte (der Koch hatte ne Zahl vertauscht...pff) und wollten natürlich gleich zusagen bzw. fürs Probearbeiten vorbeikommen. Wir liefen sogar nach Darling Harbour, wo sich sein Restaurant befand, doch konnten keinen Eingang zur Küche entdecken. Also entschlossen wir uns erneut eine Mail zu verschicken, um halt auf diesem Weg einen Termin auszumachen. Als ich mich bei web.de einloggte, fand ich dort eine weitere Mail vom Koch, indem er noch einmal fragte, ob wir Interesse am Job hätten. uuuh...wir schienen also die einzigen Interessierten zu sein. Wir machten aus, dass wir um 12Uhr am nächsten Tag vorbei kommen um zu gucken, ob es was für uns wäre.

An dem Tag schnitten wir ca. 300 Tomaten und lernten die anderen Mitarbeiter in der Küche kennen, die auch alle sehr nett schienen. Wir fanden raus, dass der Koch kein Unbekannter ist und mit Jamie Oliver (sollet ein Begriff sein, oder?) zusammen Restaurants eröffnet hat und bei der Hochzeit von Elton John kochte. Er verabschiedete sich mit einem "you should buy propper shoes, a black t-shirt and a cap. See ya soon girls!" und wir dachten, dass wir den Job sicher hätten. 
Hatten wir auch...wäre da nicht die Wirtschaftskrise und das Fehlen ausbleibender Aufträge. Wir sollten nämlich nur bei großen Feiern und vielen Reservierungen aushelfen, die ab Oktober eigentlich regelmäßig stattfanden. Nur in dem Jahr irgendwie nicht. 

 Darling Harbour...in dem mittleren Gebäude befindet sich die Küche, wo wir dann gearbeitet hätten...Traumarbeitsplatz


Ausblick von meiner späteren Wohnung aus

Nach einer Woche warten und unzähligen SMS und Anrufen beim Koch später, beschlossen wir nach Melbourne weiterzufahren. Aber dann bekam ich einen Anruf von der Frau aus der DVD Fabrik, die nach Arbeitern sucht. Wir fuhren direkt zur Fabrik, füllten auch dort wieder unzählige Bögen aus, machten einen Einstellungstest, den wir Dank der Hilfe von ein paar Italienern, fehlerlos bestanden hatten und bekamen die Nachricht, dass wir angerufen werden, wenn die Arbeit losging und das war dann am Montag danach (wir waren am Donnerstag da).

Die Arbeit war schrecklich. Wir standen am Fließband, sollten CDs in ihre Hüllen einklicken, Kartons falten, Boxen zusammenklappen oder falsch angebrachte Folie von den DVD Boxen reißen. Das alles mit ekelhaften Vorarbeitern im Nacken, die sich wahnsinnig toll vorkommen und deren größter Traum es wohl ist Backpacker anzuschreien, nur um sich für was besseres halten zu können. Wir standen zwar drüber, weil alle Abiturienten waren, die in ein paar Monaten ihr Studium antreten würden und es im Leben zu viel mehr bringen werden, als dämlicher Vorarbeiter zu sein, aber trotzdem war das nicht schön. Dort lernten wir auch weitere Backpacker kennen, mit denen man sich logischerweise unterhält, hat auch keiner gesagt, dass das verboten ist und schließlich taten das alle dort.
War scheinbar aber doch strengstens untersagt, sowie wirklich alles dort und am nächsten Tag wurden ca. 20 Backpacker entlassen, weil sie geredet hatten. Wir eingeschlossen. Toll!

Wir planten also wieder unsere Weiterreise nach Melbourne, bis ich dann am nächsten Tag einen Anruf von der Arbeitsagentur erhielt, die einen Job in der Kosmetikfabrik für mich hatte. Ich sollte hinfahren, mir meine neuen (wunderschönen) Arbeiterschuhe sowie meine neongelbe Warnweste abholen und die Adresse zu meinem neuen Arbeitsplatz.
Da es nur einen Job gab, beschloss meine Mitreisende erstmal weiter nach Melbourne zu fahren und ich suchte mir am gleichen Abend noch eine neue Wohnung.

Kommentare:

  1. Wieder ein toller Bericht. Bei den argenturen wird es immer so einfach geschildert einen Job zu finden. Ich denke mal dein Bericht ist wahrheitsgetreuer ;)

    Das zweite Buch heißt Nomadentochter. Die meisten wissen nicht das es ein zweites gibt weil das nicht so erfolgreich war wie das andere.

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  2. Oh das wird immer spannender, da muss man voll mitfiebern obwohl es ja schon "vorbei" ist ;)
    Und die Bilder sind echt mal der Hammer, sieht echt toll aus =)
    Bin wie immer gespannt wie es weitergeht..
    aber krass, dass es doch schwer ist einen Job zu kriegen wenn man so VOX anschaut bei "Auf und davon" denkt man auch immer, dass es nicht so schwer ist..! (Was ja offenbar nicht so ganz stimmt;) )

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  3. Wow, ist das spannend! ....... Bin schon gespannt wie es weiter geht. Schonmal überlegt ein buch zu schreiben? ;-)

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  4. Huhu, danke für deinen Kommi :) Jeder hat eben seine eigene Meinung , was ich toll finde. Ich lieeebe dieses Shirt :) Der Reiusebericht ist übrigens wirklich super spannend!Freue mich schon auf den nächsten Teil. Wie ist "Wüstenblume" ??? Wollte das Buch auch schon immer mal lesen.

    Liebe Grüße

    Fancy

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  5. Ne, Netze waren da nicht. Aber die Leute meinten, die kommen nicht zum Ufer!?!? Ich hab mal drauf vertraut ;)

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  6. Ich fieber hier grade richtig mit, hört sich alles total spannend an!

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  7. Ui, ganz allein...
    Und dann und dann und dann...???
    Schnell den nächsten Teil veröffentlichen!

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  8. ja wegen frittenbude und bonapart weiß ich nich wirklich, das is echt kacke!! =/ mal schaun :)
    Jaa zu Does it offend you gehts auch auf jedenfall!! :D Da hat mich schon mein Bruder zu gezwungen hinzugehn weil die so geil sind :D haha :)) Uhh ich freu mich :) ♥

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  9. das ist ja wie ein spannender Film, ich freu mich schon total auf den nächsten Teil!

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