Montag, 14. Juni 2010

Cat Down Under - Teil 3

Mit zittrigen Beinen stiegen wir abends aus dem Flugzeug in Sydney aus. Suchten unseren Koffer und leicht flau im Magen machten wir uns auf dem Weg zur Passkontrolle. "Was ist, wenn mein Visa ungültig ist? Was ist, wenn ich doch abgelehnt worden bin?" Diese Frage schwirrte mir nämlich seit einigen Tagen im Kopf herum, obwohl sich in meinem Koffer ein gelber Brief befand, der mir das Ggenteil bewies. Aber wer weiß!
Natürlich verlief alles problemlos und hatte auch keinen gestohlenen Passport dabei. Das ist mir nämlich schonmal in London passiert. Mein Perso wurde mir ein paar Monate vor der Reise geklaut, ich habe einen Neuen beantragt und 2 Tage danach bekam ich einen Anruf von der Polizei, weil mein verschwundener Perso wieder aufgetaucht ist. Bei der Passkontrolle war dann immernoch eingespeichert, dass der Perso als gestohlen gemeldet wurde. Bitte was? "Und nun?" "Da müssen Sie zur Polizei gehen und das klären!" *geschockter und verwunderter Blick...schließlich stand ich doch gerade einem Polizisten gegenüber* ... ich wollte doch nach London! "...aber für jetzt lass ich das mal durchgehen. Eigentlich dürfte ich Sie so gar nicht durchlassen" aha...und wieso gehe ich dann extra zum Polizei-Revier um mir persönlich meinen Perso wieder abzuholen, nur damit die ihn weiterhin als gestohlen gemeldet lassen?

Nach der Erleichterung vergaßen wir auch glatt uns einen Sticker abzuholen der bewies, dass wir Backpacker mit Arbeitserlaubnis sind. Am nächsten Tag sollten wir dafür dann eine Stunde lang umsonst in der Ausländerbehörde warten, nur um gesagt zu bekommen, dass es den Sticker seit dem Jahr nicht mehr gibt und durch einen elektronischen Code ersetzt wurde. Klasse!

Mit angehaltenem Atem trat ich dann aus der Ankunftshalle ins Freie und sollte gleich zum ersten Mal australische Luft einatmen können...diese war kalt und nass. Und es war dunkel. Toll! Schnell suchten wir uns ein Taxi (Flughafentransfers gibt es zwar, waren aber fast genauso teuer und der Zug nahm Sonderaufschläge, wenn man direkt am Flughafen aussteigen will. 2 Stationen danach war es wieder billiger) und ließen uns zu unserem Hostel bringen. Da wir etwas außerhalb der Stadt wohnten (sehr unklug!), konnten wir natürlich keinen Blick auf Opera oder Harbour Bridge werfen. Das Zimmer teilten wir uns mit zwei Deutschen, einem Franzosen und ... ich bin mir nicht mehr sicher. Kanadier oder Neuseeländer oder Australier, der ein oder zwei Tage später wieder abgereist ist, weswegen ich kaum Erinnerungen habe. 

Als Backpacker verläuft das eigentlich immer so: man betritt ein Zimmer, schaut sich seine Mitbewohner an und fragt als erstes woher man kommt. Dann werden die üblichen Fragen ausgetauscht "wo warst du vorher? Wo gehts als nächstes hin? Wie lange bleibst du? Irgendwas cooles, was ich mir hier angucken muss? Hast du nen Job? Hattest du schon nen Job?" blabla...es sind immer wieder die gleichen Fragen und spätestens an der Ostküste, wo man alle 2-3 Tage weiterreist, wird es wirklich nervig und anstrengend immer wieder das Gleiche beantworten oder hören zu müssen. Leute kennengelernt hat man überall, aber welche von denen man auch noch nach der Abreise etwas gehört hat bzw. hören wollte, lernte ich nur in Orten kennen, wo man längere Zeit verbracht hat. 

Da wir ohne Organisation gereist sind und keinen Plan von gar nichts hatten, waren wir natürlich sehr froh darüber, dass wir bereits in Singapur mit allen möglichen Tipps ausgestattet worden sind. Die ersten Tage galt es daher eine Steuernummer zu beantragen, eine Handykarte zu kaufen und ein Bankkonto zu eröffnen. Denn erst mit diesen Dingen konnte man sich einen Job suchen. 
Natürlich mussten wir uns auch sofort Opera und Harbour Bridge angucken und fuhren mit dem Zug zum Circular Quay.
Es ist ein magischer Moment, wenn man dem Zug entsteigt und direkt vor einem Harbour Bridge auf der linken und Opera auf der rechten Seite sieht.
Als ich später am Circular Quay ausstieg, habe ich mich gerne umgedreht um in die Gesichter der Touris und Backpacker zu gucken, die zum ersten Mal diese Wahrzeichen erblicken.
Die ersten Tage waren wirklich anstrengend, weil man sich um so viel kümmern musste und das auch noch auf Englisch. Das Wetter war doof, die Stadt grau und irgendwie gefiel sie uns nicht wirklich, weils immer nur am regnen war. 

Das sollte sich aber alles noch ändern...schließlich liebe ich Sydney heute.

Kommentare:

  1. Hab ich schon erwähnt das dein Schreibstil toll ist?! :D Lol.. nee im Ernst, du schreibst alles so schön auf, und die Bilder sind toll *.* Wie immer sage ich: ich freue mich auf den nächsten Teil. Ich persönlich war ja immer zu schissig, um sowas zu machen - schade!
    Liebe Grüße,
    Melly

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  2. mal wieder toll geschrieben.
    wegen der Tasche: schau dir mal ihren Blog an. Die ist die Expertin :-)
    http://itwasastealmommy.blogspot.com/2010/03/miu-miu-bow-bag-ebay-fake.html

    LG

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  3. wow... bei deinen Erzählungen bin ich gleich so mitgerissen, dass ich selbst aufgeregt bin =D

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  4. Meine Eltern sind totale Sydney Fans und ivh gucke mir immer wieder gerne ihre Fotos an. So auch deine!!

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  5. Oh mann, da bekommt man Fernweh.
    Ich habe es zwar nur ein halbes Jahr für ein Praktikum nach Brüssel geschafft (dafür war das Sprachproblem dort größer mit Französisch und Niederländisch), aber ich denke ich kann ungefähr nachvollziehen, wie das am Anfang war. Ich hatte damals noch 5 Tage frei bevor ich arbeiten musste und bin jeden Tag allein stundenlang durch die Stadt gelaufen. Ich wollte die Stadt einmal als Touri ergründen, um zu erfahren, wie sich das Erlebte später verschiebt. Danach kannte ich Brüssel besser als viele andere, die schon 3 Monate oder länger da waren. Und meine Augen glänzen heute noch, wenn ich vom Grand Place erzähle oder an mein Stammpub denke! So viele Abende habe ich den Barkeeper zugeschwafelt, haha.

    Ja, das Fernweh packt mich.
    Es ist echt schade, dass man sowas eigentlich nur einen ganz kleinen Abschnitt in seinem Leben problemlos machen kann. Später ist es soviel schwerer, man gibt soviel auf. Und mit Familie wird es fast unmöglich.

    Meine Eltern hatten damals Schiss, weil ich das machen wollte, ihre Kleine allein in Europas Hauptstadt. Mein Bruder hat mir zum Abschied Pfefferspray geschenkt. :-)
    Wenn ich mal Kinder haben sollte, werde ich sie ins Ausland schicken, ob sie wollen oder nicht, haha ;-)!
    Aber die Erfahrung kann einem dann keiner mehr nehmen.


    Ich freue mich auf den nächsten Teil und überlege schon den Bloggern Brüssel näher zu bringen (obwohl ist ja gar nicht so weit weg).

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  6. Wie meine Tochter schon geschrieben hat, bin ich ein Australien und Sydney-Fan. Tja, vor 2 Monaten war ich auch da und Sydney ist 'ne tolle Stadt. Hast du auch soooo viele Asiaten gesehen? Als wir da waren wurden wir regelrecht von Asiaten überrannt. Trotzdem war ich schon das 2.Mal da und würde auch gern ein 3.Mal kommen.
    Das Koalas kratziges Fell haben, kann ich garnicht bestätigen. Ich hatte auf Hamilton Island einen Koala auf dem Arm und konnte dort auch einige streicheln und die waren ganz, ganz wuschelig weich.

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